Wie Phoenix Reisen trotz Corona in die Flotte investiert

Der Großteil der weltweiten Kreuzfahrt-Flotte liegt wegen der Corona-Pandemie noch immer auf. In Emden liegt bereits seit dem vergangenen Jahr die AMERA des Bonner Veranstalters Phoenix Reisen an der Pier der Emder Werft und Dock GmbH (EWD). Für das Magazin AN BORD und den Täglichen Hafenbericht habe ich mich auf dem Schiff umgesehen und mir ein Bild von den Investitionen gemacht. Das Kreuzfahrtschiff, Baujahr 1988, wird fit gemacht für den Neustart – auch im Umgang mit einem Virus.

Phoenix Reisen investiert in der Krise kräftig in die Flotte – und das, obwohl pro Schiff ohnehin monatliche Betriebskosten von rund 750.000 Euro auflaufen. Allein für die AMADEA, das aktuelle ZDF-Traumschiff, sind 20 Millionen Euro veranschlagt. Sie liegt, wie die ARTANIA, in Bremerhaven und wird auf eine ohnehin geplante 80-tägige Werft-Zeit im September vorbereitet, bei der auch die Motoren ausgetauscht werden. Auf der AMERA in Emden ist Senior-Fleet-Architekt Benjamin Drechsel regelmäßig für zwei Tage in der Woche und beaufsichtigt die vielfältigen Arbeiten, die auf dem erst im Juli 2019 in die Phoenix-Flotte integrierten Schiff erledigt werden. Drei Millionen Euro werden jetzt an Bord investiert. Mit 40 Millionen Euro schlug bereits der Umbau von der PRINSENDAM zur AMERA zu Buche. „Wir haben leider nur gut ein halbes Jahr den Echtbetrieb auf der AMERA gehabt, dann kam Corona“, erklärt Drechsel, der ein siebenköpfiges Team im Fleet-Management von Phoenix in Hamburg leitet. Der 35-Jährige begleitet das Schiff schon seit den ersten Verhandlungen mit Holland America Line, hat die AMERA mit Kollegen Anfang 2018 in Miami als PRINSENDAM erstmals in Augenschein genommen und später den gesamten Hotel-Umbau hin zum Phoenix-Standard geleitet. „Ich bin eigentlich für all die Dinge zuständig, die der Gast sieht“, beschreibt der Hamburger sein Aufgabengebiet. 

Möbel müssen regelmäßig verrückt werden 

Aktuell ist auf der AMERA, die auf der Wärtsilä Marine Perno Werft (heute Meyer Turku) im finnischen Turku als ROYAL VIKING SUN gebaut wurde, eine 130-köpfige Crew an Bord. Hinzukommen am Tag etwa 50 Mitarbeiter von der Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement, die die Phoenix-Schiffe nautisch betreut, von Fremdfirmen, dem Bonner Veranstalter selbst und der Werft EWD. „Bei einem Schiff aus den 1980er Jahren gibt es immer etwas zu tun“, betont Drechsel. Zum Beispiel müssten, so banal es zunächst klinge, regelmäßig alle Wasserhähne und Duschen aufgedreht und Toilettenspülungen betätigt werden. „Das System ist nicht dafür ausgelegt, dass es ein Jahr lang ruht. Damit die Leitungen nicht verkalken, müssen sie regelmäßig gespült werden“, so der Architekt. Ebenfalls eine kuriose, aber notwendige Arbeit: Möbel müssen in den öffentlichen Bereichen regelmäßig verrückt werden, damit sie keine Abdrücke in den Teppichen verursachen.

Beim Streifzug über die Decks der AMERA sind Bars, Restaurants und die Rezeption dunkel. Besonders eindrucksvoll: Die verwaiste Main-Galley (Hauptküche). Dieser Ort an Bord schläft normalerweise nie. Jetzt sind die Geräte und Arbeitsflächen blank poliert. Kein reges Treiben, keine Gerüche von verschiedenen Speisen in der Luft, stattdessen: Leere und Ruhe, die an dieser Stelle an Bord besonders bedrückend ist.

In den öffentlichen Bereichen klebt Schutzfolie die Laufwege auf den Teppichen ab. In der speziell in den Abendstunden während einer Kreuzfahrt so beliebten „Harry´s Bar“ stehen Stühle gestapelt, ein paar Meter weiter sogar Betten und andere Kabinenmöbel. Das Spezialitätenrestaurant „Pichler´s“ sieht gar wie ein Möbellager aus. „Die Möbel sind hier zwischengelagert, weil wir in einigen Kabinen an den Lüftungsschächten und den Decken arbeiten und somit den Platz brauchen“, erklärt Benjamin Drechsel.

Was genau an Bord erledigt wird und warum die Klimaanlagen einen wesentlichen Teil der Arbeiten einnehmen, gibt es in meinem Artikel für AN BORD. Hier nun einige Impressionen von der AMERA mit interessanten Vergleichen zum Look einiger Bereiche während des normalen Kreuzfahrt-Alltags. 

Stahlarbeiten im Umfeld des AMERA-Pools am Heck. Foto: Christoph Assies
Abends ein beliebter Treffpunkt, jetzt Zwischenlager: Die Harry´s Bar auf der AMERA. Foto: Christoph Assies
Die Lido-Terrasse im Normalbetrieb.... Foto: Christoph Assies
... und jetzt. Foto: Christoph Assies
Das Spezialitätenrestaurant Pichler´s kurz vor der Taufe der AMERA im Jahr 2019. Foto: Christoph Assies
Aktuell gleicht es einem Lagerraum. Foto: Christoph Assies
Das Hauptrestaurant Ozean am Heck der AMERA, wie es die Passagiere kennen. Foto: Christoph Assies
Noch kein Dinner in Sicht. Foto: Christoph Assies
Verwaist, aber blitzsauber: Die Main-Galley. Foto: Christoph Assies
Die AMERA wird fit gemacht für den Neustart: Mehr als 2000 Meter Handläufe an der Reling werden erneuert. Foto: Christoph Assies
Benjamin Drechsler ist Senior-Fleet-Architekt bei Phoenix Reisen und leitet die Arbeiten an Bord. Foto: Christoph Assies
Christoph
mail@christoph-assies.de
1 Kommentar
  • Waltraud Bilker
    Posted at 19:44h, 24 April Antworten

    Ab 25.09.21 bin ich an bord zu den Azoren freu mich riesig !

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